Der Ort

Das ehemalige Diesterweg-Gymnasium befindet sich im nördlichen Teil des hauptsächlich in den 1960er und 70er Jahren errichteten Brunnenviertels. Das Areal des heutigen Brunnenviertels stellte damals das größte zusammenhängende Sanierungsgebiet Europas dar, in dem die zu dieser Zeit als veraltet und rückständig angesehenen Mietskasernen durch moderne Bauten ersetzt werden sollten. Bereits 1963 hatte Willy Brandt, damaliger Bürgermeister Berlins, das Gebiet als Sanierungsgebiet ausgewiesen und erklärt: „Wir haben uns vorgenommen, den Wedding so zu erneuern, dass das Odium der Zweitklassigkeit verschwindet, dass ein intaktes Stadtbild Abbild einer intakten Gesellschaft wird." Als 1980 die Sanierung abgeschlossen war, hatte sich die Anzahl der Bewohner des Viertels nicht nur drastisch von 39.000 (1962) auf 14.700 (1980) reduziert, sondern auch fast vollständig ausgetauscht.

Das Brunnenviertel ist bis heute nicht nur in seinem Erscheinungsbild, sondern vor allem auch hinsichtlich des Nutzungsangebots maßgeblich von den damaligen Vorgaben der Kahlschlagsanierung bestimmt. Diese wurde von fünf Sanierungsträgern durchgeführt: gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften, deren größte, die degewo, auch heute noch Eigentümerin eines Großteils der Wohnungen ist. Abgesehen von den vorhandenen Schulbauten und dem sich in der Brunnenstraße konzentrierenden Einzelhandel handelt es sich um ein monofunktionales Wohngebiet. In Folge der damaligen vorwiegend auf die Schaffung von Wohnraum gerichteten Planung gibt es im Viertel einen großen Bedarf an kulturellen Angeboten sowie an Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, aber auch an Räumen für nachbarschaftliche Aktivitäten.

Im Brunnenviertel leben derzeit um die 20.000 Bewohner, 8.000 westlich und 12.000 östlich der Brunnenstraße. Mit Mitteln aus dem Programm der Sozialen Stadt sind im Brunnenviertel zwei Quartiersmanagementbüros eingerichtet worden.