Das Gebäude

Ausgangspunkt unseres Projekts ist der Leerstand des ehemaligen Diesterweg-Gymnasiums in Berlin-Wedding und der Wunsch, dieses für Berlin einzigartige Beispiel der Schularchitektur der 1970er Jahre zu erhalten und langfristig umzunutzen.

Im Sommer 2011 wurde die Schule geschlossen, da eine nach heutigen Maßstäben wirtschaftliche Nutzung vor allem aufgrund des hohen Flächenanteils pro Schüler und der schlechten Energiebilanz des Gebäudes nicht mehr gegeben ist. Die an der verkehrsberuhigten Swinemünder Straße gelegene Jugendbibliothek wurde daraufhin in die benachbarten ehemaligen mobilen Klassenräume umgelagert, ist mittlerweile allerdings auch dort ausgezogen und soll in den Bibliotheksneubau am Leopoldplatz verlagert werden. Die Sporthalle war bis Ende 2014 noch für Schulsport und Vereinsnutzungen in Betrieb, ist jedoch seitdem wegen Verdacht auf Schimmelbefall geschlossen. Das mittlerweile vollständig leerstehende Gebäude muss zu erheblichen Kosten unterhalten und gesichert werden, da sich darin sowohl die Trafostation für die Stromversorgung der umliegenden Nachbarschaft, als auch die Heizungs- und Medienversorgung für die angrenzende Sporthalle und Bibliothek befinden.

Diaschau: Bilder vom heutigen Zustand

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Die aus einem Wettbewerb hervorgegangene Planung des Architekturbüros Pysall-Jensen-Stahrenberg folgt der Idee eines offenen Schulkonzeptes, die sich auch in der räumlichen Gestaltung des Gebäudes zeigt. Insbesondere die Erdgeschosszone wurde für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar gemacht, unter anderem durch die Einbindung einer Stadtteilbibliothek, die außerschulische öffentliche Nutzung der Aula und Bühne (des sogenannten Schulforums) oder einiger Fachräume, beispielsweise durch die lokale Volkshochschule. Diese angestrebte Verflechtung zwischen Schule und Öffentlichkeit spiegelt sich darüberhinaus in dem sehr großzügigen, offenen Raumkonzept und insbesondere in der sich durch das Gebäude hindurchziehenden Schulstraße.

In der formalen Gestaltung des Gebäudes spiegeln sich Konzepte des Strukturalismus und des modularen Bauens der 1960er und 1970er Jahre. Besonders die orangefarbenen Fassaden-Paneele mit den abgerundeten Kanten und Öffnungen erinnern in ihrer techno-futuristischen Architektursprache an die Architekturutopien dieser Zeit und die frühen Bauten von Norman Foster oder Richard Rogers. In den letzten Jahren hat sich ein neues Bewusstsein für die architektonische Qualität dieser spätmodernen Bauten und ein denkmalpflegerisches Interesse an dem Erhalt dieser Architekturbeispiele entwickelt. Aufgrund seiner architektonischen Qualität und seiner quartiersprägenden Funktion innerhalb des Brunnenviertels halten wir das Schulgebäude für unbedingt erhaltenswert. Daher haben wir den Aufruf zum Erhalt des Gebäudes gestartet.

Diaschau: Bilder 1975-77, Jochen Pysall

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Pläne des Schulgebäudes:

Lageplan

Lageplan jpg